Der Kreuzweg


Der Kreuzweg wurde vom tschechischen Künstlers Ludek Tichy, während der Zeit der kommunistischen Unterdrückung, für die Kirche St. Bartholomäus geschaffen.

Dieser Kreuzweg muss sich einem erschließen. Im schnellen Vorbeigehen erkennt man nicht viel. Verschlungene Leiber, Hände, die wie Klumpen aussehen, ein wenig Gold und Farbe nimmt man en passe wahr. Und doch sieht man mit einem „anderen“ Auge mehr. Viele sagen, dieser Kreuzweg fasziniert oder stößt mich ab. Fragt man nach, was denn fasziniert oder abstößt können es Menschen nicht in Worte fassen. Der Ausdruck für ein tiefes religiöses Empfinden ist „Tremendum et Fascinosum“ – Das Erschreckende und das Faszinierende.

Zum Anfang zwei Betrachtungen:

Fange ich mit der elften Station an „Jesus wird ans Kreuz genagelt“ und weise darauf hin, mit welcher Fratze der Henker den Betrachter anschaut? Und stelle die Frage: Welche Fratzen ziehe ich in welchen Situationen? Ein Weiser sagte einmal: Wenn Streitende sich selbst sehen würden, wie lächerlich sie aussehen ….. Ein Detail von vielen, die es wahrzunehmen gibt.



Oder fange ich doch mit der ersten Station an: Jesus wird verurteilt. Die goldene Krone des Verurteilten verweist auf die Aussage während des Verhörs „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36). Deshalb geht seine Passion bis in den Tod.



Und unsere Passion? Unsere Leidenschaft, wie weit geht sie? Als Christen haben wir Anteil an der Königsherrschaft Christi. Seine Krone ist aus Gold, ein wertvolles Edelmetall, aber auch ein Metall an dem Blut klebt. Jugendliche aus Südafrika erzählten beim Weltjugendtag in Köln, sehr erschütternd von ihren Vätern, die in Goldminen arbeiten. Ebenso wertvoll ist Koltan. Ohne diesen Rohstoff funktioniert kein Mobiltelefon. Um diesen Rohstoff wird ein blutiger, dreckiger Krieg im Kongo geführt.

Zu den Figuren: Die großen Hände, mit denen Jesus dargestellt wird, sind Hände, die zu packen, begreifen, zärtlich sein können. Die kleinen Köpfe verweisen auf das persönliche Leid des Künstlers. Das Gewirr der Figuren: Die Verstrickungen in der Welt, in die auch mich verstrickt habe. Wo bin ich in mir selbst verstrickt und gefangen? Wo bin ich schuldig geworden? Wem bliebe ich etwas schuldig?

Die 15. Station stellt die Auferstehung Jesu dar. Auf sie geht man zu, wenn nach der Trauerandacht der Weg zur Grabstätte gegangen wird. Hier kann man Menschen erkennen, die unter Jesus stehen, vielleicht auferstehen? So schreibt der Evangelist Matthäus, beim Tod Jesu: „Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt“ (Mt 27,52). Die Betrachtung der Kreuzwegstationen ist immer nur ein Anfang.

Top