Der Raum, die Leere und die Stille


Der Kirchenraum fordert in seiner Konzentration zur Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Leben heraus. Auf einem Friedhof kann ich mich auch der Betrachtung der Natur hingeben oder werde in meiner guten Absicht der Verstorbenen und des eigenen Todes zu gedenken, gerne durch andere Dinge abgelenkt.

Dies ist in der Grabeskirche nicht möglich. Mit dem Besuch setze ich mich dem Raum und der Leere aus. Diese Leere und Stille sind oft schwer auszuhalten, denn wenn wir uns dem leeren Raum aussetzen bekommen wir Kontakt mit uns selbst. Das kann „gefährlich“ sein. Das schöne alte Wort diese Leere auszuhalten heißt Betrachtung oder die Konzentration auf das Wesentliche Kontemplation.

Wahrscheinlich ist es der Überlebenstrieb der Menschen, agieren zu müssen. Das Agieren sichert uns die notwendigen Lebensmittel und bedeutet darüber hinaus auch eine Kontrolle meines Lebens und meiner Umwelt, da alles von mir ausgeht. Von daher rührt, vielleicht das Verlangen, doch Blumen auf den Altar zu stellen, weil wir die Leere schwer aushalten können. Der Satz: Ich fühle mich so leer, besagt alles und ist negativ besetzt. So unser abendländisches Denken. Im asiatische Denken, ist Leer werden neutral oder positiv besetzt. Das Anhaften an der dinglichen Welt und das Begehren danach werden nie zu 100% befriedigt.

Die Konzentration auf die Leere ist kein Spaziergang. Der Kontrollverlust kann mit Angst besetzt sein, aber sich dem auszusetzen des ‘ich kann mich mir stellen‘ bedeutet vielleicht den Gewinn, den Ignatius von Loyola mit dem Satz beschreibt: ‘Ein Haben als Hätte man nichts‘ oder die hohe Kunst kennenzulernen, Dinge zu besitzen, sich aber davon nicht besetzten zu lassen.

Das Loslassen können oder das abschiedliche Leben ist ein Trauerprozess, der in das Leben der Fülle führt.

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