Herr, zeige uns den Vater, und es ist uns genug (Joh. 14,8)


Mit diesem Wunsch bringt Philippus die Sehnsucht religiöser Menschen zum Ausdruck: die Gottesschau. Jesus antwortet ihm: "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen, zeige uns den Vater!" (Joh 14,9b).

Wir leben in einer Gesellschaft, die an innerweltlichen Lösungen aller Probleme und an die Machbarkeit durch Fortschritt, auch bei der längst bekannten aber verdrängten Erkenntnis der endlichen Ressourcen glaubt. Deshalb ist die Beschäftigung mit dem Tod ein Tabu. Damit einher geht der Verfall der Bestattungskultur. Manchmal ist die Verabschiedung eines Verstorbenen mit dem Abholen des Leichnams durch den Bestatter auch schon erledigt.

Mit der Umwandlung der Kirche St. Bartholomäus in eine Grabeskirche haben wir als Pfarrgemeinde Zu den Heiligen Rochus, Dreikönigen und Bartholomäus ganz bewusst ein neues Aufgabenfeld beschritten. In unserem Pastoralkonzept ist dieser Handlungsschritt so umschrieben: "Mit der Umwandlung der Kirche St. Bartholomäus in ein Kolumbarium wird ein neuer pastoraler Schwerpunkt gesetzt. Dies bedeutet das Thema Leben und Tod in die Öffentlichkeit zu tragen und eine Bewusstseinsbildung für Trauerpastoral und Hospizdienst zu entwickeln".

Vieles um das Thema Grabeskirche und Pastoral am Lebensende ist Anfang und oft stellt sich die Frage, wo fange ich an mit einer Führung, mit einer Erklärung, mit einer Deutung. Es kann immer nur ein Anfang sein. Der Zuhörer, der Leser, der Betrachtende, der Kunstinteressierte, der Architekturinteressierte, alle müssen für sich weiter sehen, hören, entdecken, begreifen, verstehen, genau so und nicht anders entstehen Gottesbilder. Es gibt kein fertiges Bild von Gott und schon gar nicht ein irgendwie festgeschriebenes Gottesbild. Wir sind ein Teil dieses Bildes und darin wird ein Stück Transzendentes zu erahnen sein.

Nicht mehr aber auch nicht weniger, dazu lädt die Grabeskirche St. Bartholomäus und die mit ihr verbundene Pastoral ein.

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