Pastoraltheologische Überlegungen zur Nutzung
der Kirche St. Bartholomäus als Grabeskirche


Tote begraben, Trauernde trösten, für Verstorbene beten sind Werke der Barmherzigkeit. Der Wandel in unserer Gesellschaft hat den Umgang mit Sterben und Tod verändert. Das Sterben und der Tod gehören nicht mehr zum Leben und werden tabuisiert. Die demographische Entwicklung, die zu einer Vergreisung führt und die vermehrten Ein-Personen-Haushalte in der Gesellschaft, machen selbst im Bereich Sterben und Tod die Einsamkeit deutlich. Menschen werden nicht mehr betrauert, sondern für viele ist die Beerdigung oder Urnenbestattung ein lästiges Übel.

Die Kirche kann hier die Werke der Barmherzigkeit als ihr Erkennungszeichen dem generellen Trend entgegensetzen. Neutestamentlich ist sie ausgewiesen als eine wesentliche und unverzichtbare Grunddimension des mit Jesus Christus angebrochenen Reiches Gottes und als die entscheidende Grundform für christliches Handeln zu verstehen.

Wir als Kirchengemeinde möchte den Menschen die Gewissheit anbieten, dass sie über ihren Tod hinaus nicht vergessen werden. Dass wir für einsame und alte Menschen sorgen, sie würdig bestatten und ihren Namen im Gedächtnis unserer Gemeinde bewahren. Ich habe dich beim Namen gerufen, so lautet ein Grundsatz unseres Glaubens, deshalb wird in der Begräbnisliturgie der Name des Verstorbenen an vielen Stellen genannt. Dies macht bewusst, dass wir Christen hoffen, dass unser Name im Buch des Lebens aufgezeichnet ist.

Wir sehen es als unseren Dienst am Menschen an, Trauernde zu begleiten und Tote zu bestatten. Auch hier ist die Kirche ein Lebensort und Lernort des Glaubens. Für uns selbst wird es so ein Einüben ins eigene Sterben. Als Kirchengemeinde wollen wir hier einen Akzent setzen, weil wir der Menschen Bestes wollen. Im Gedenken der Toten setzen wir ein Zeichen gegen die Anonymität und gegen das Vergessen in unserer Zeit, weil für uns jeder Mensch eine von Gott geschaffene und bejahte Persönlichkeit ist.

Die baulich umgewandelte Kirche St. Bartholomäus wird so zu einem Ort des Gedenkens und des Gebetes für die Verstorbenen. Hier soll Auferstehung und eine Vorahnung des vollendeten Reiches Gottes sichtbar und erfahrbar werden. Sie wird ein Ort der Frage nach dem Willen Gottes, aber auch ein Ort der Frage nach dem Leid, der Klage und der Trauer.

Neben dem Kondolenzbesuch ist so eine würdige Feier der Exequien, mit der Möglichkeit den Sarg in der Kirche aufzubahren gegeben, sowie eine angemessene Form der Urnenbestattung, mit dem Einmauern in die Grabstele und eine begleitende Trauerarbeit mit den Angehörigen möglich.

Monatlich beten wir in der Vesper für unsere Verstorbenen und laden an Allerheiligen und Allerseelen zur Heiligen Messe ein. Ziel wäre ein Sterbeverein, der trauernde Menschen begleitet und Hilfen in der schwierigen Situation des Lebens anbietet.

In der Kirche wird deutlich, dass Gott über den Tod hinaus treu ist und dass er seine Wohnung unter den Menschen genommen hat.

Klaus Kugler, Pfarrer

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